„Wo du dem Himmel nahe bist…“ So bewirbt Stefan Biechl die Einkehr in seine Hütte auf der Astenau Alm im idyllischen Rofangebirge. Die Alm ist seit 1929 im Familienbesitz, seit 2009 bewirtschaftet Biechl sie mit seiner Familie in dritter Generation mit viel Herzblut und Tradition. Vom falstaff Hüttenguide wurde dieses Herzblut im Vorjahr mit einer Auszeichnung belohnt.
Auf der Alm am Fuße des Ebner Jochs kümmert sich der Hüttenwirt nicht nur um rund ein Dutzend Schafe, sondern auch um sechs Kühe. Vier davon gehören Hobbybauer Robert Lechner, zwei weitere dem Vollerwerbsbauer Ludwig Guggenbichler.
Unterbrochen wurde die Alm-Idylle am vergangenen Dienstag. Von einem Hund, der nicht angeleint war, wurden die Tiere aufgehetzt und erschreckt. „Es muss zwischen zehn und zwölf Uhr passiert sein. Gegen Mittag kam eines der Kälber zur Hütte und hat heftig gemeckert“, schildert Biechl im Telefonat mit der „Krone“.
Daraufhin schickte der Almbesitzer seinen Sohn los, um nach dem Wohl der anderen Tiere zu sehen.
Was daraufhin folgte, war eine Suche, die sich über mehrere Stunden zog. Aufgeschreckt durch den Vierbeiner waren insgesamt fünf Kühe rund 50 bis 100 Meter in ein dicht bewachsenes Latschenfeld abgestürzt. „Ich war gerade beim Arbeiten, als mich Stefan anrief und sagte, dass die Kühe vermisst und gesucht werden“, erzählt Lechner.
Zusammen mit mehreren Helfern konnten bis zum Abend schließlich alle Tiere gefunden werden. „Zum Teil mussten wir sie mit der Motorsäge aus dem Latschenfeld befreien“, erklärt der Hobbybauer den mühsamen Einsatz. Zwei seiner vier Jahrlinge wurden derart schwer verletzt, dass sie notgeschlachtet werden mussten.
„Die anderen brachten wir schlussendlich sicher ins Tal. Sie sind schwer traumatisiert und laut dem Tierarzt nicht mehr für die Alm geeignet.“ Von einem über die Leitstelle Tirol angeforderten Hubschrauber wurden die beiden toten Tiere am Tag darauf hinunter ins Tal geflogen.
Unterdessen erzählt Guggenbichler, dass „ich erst um zehn Uhr am Abend von dem schrecklichen Vorfall erfahren habe“. Sein abgestürztes Kalb erholt sich ebenfalls im Stall im Tal von dem dramatischen Schock. „Äußerlich sieht man keine Verletzungen, laut dem Tierarzt sollte es wieder gesund werden“, hofft er.
Neben dem emotionalen sieht sich Lechner auch mit einem finanziellen Verlust konfrontiert. „Die beiden Kühe hatten jeweils einen Wert von rund 3000 Euro. Für die Bergung durch den Hubschrauber bin ich wenigstens versichert.“ Ob er sich zwei neue Tiere anschaffen wird, weiß der Hobbybauer, der dieser Tätigkeit seit zehn Jahren „als Ausgleich zum stressigen Alltag nachgeht“, noch nicht. „Man überlegt sich schon, ob man weitermacht“, meint er nachdenklich.
Sowohl er als auch Stefan Biechl appellieren an die Hundebesitzer, die sonst gern gesehene Gäste in der Hütte sind, in Zukunft besser auf ihre Vierbeiner aufzupassen und die eigens aufgestellten Hinweisschilder zu beachten. Wie Guggenbichler abschließend seufzt, „sind viele Hundehalter leider rücksichtslos und lassen sich nicht belehren“.





